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Der Kinderwagenschlaf – Ein Erlebnisbericht

Kindlein komm wir geh’n spazieren,
Denn dabei soll ja oft passieren,
Du wirst müde und schläfst ein
Und das fänd Mama wirklich fein.

Im Park mit Kinderwagen

Schlaf ist für Babys sehr wichtig, anfangs schlafen die Kleinen sogar bis zu 16 Stunden am Tag. Doch Eltern wissen, mit Hinlegen und „Schlaf jetzt“ sagen, ist es leider nicht getan. Für die kleinen Würmchen, die sich erst noch an unsere Welt gewöhnen müssen, ist es anfangs oftmals ein richtiger Kampf in den Schlaf zu finden. Wenn sie müde werden, dann werden sie quängelig und unleidlich. Sie wollen gerne schlafen, aber sie schaffen meist den Absprung nicht. Ein wenig Bewegung, leichtes Schunkeln und der vertraute Anblick von Mama und Papa können oft gut helfen und da die kleinen Erdenbürger auch viel frische Luft brauchen, verbindet man oft beides und geht mit ihnen im Kinderwagen spazieren.

Ein Erlebnisbericht

Baby ist eingepackt und liegt im Kinderwagen, ich bin ebenfalls angezogen und startklar. Schnuller und Kuscheltuch sind bereits im Einsatz und ich prüfe schnell, dass ich auch alles andere Wichtige eingepackt habe. Als wir das Haus verlassen, schauen mich zwei große, hellwache Augen aus dem Kinderwagen heraus an, aber ich bin optimistisch, dass wir das bald ändern werden. Der Park ist ca. zehn Minuten entfernt, wir machen uns also auf den Weg.

Schon nach den ersten fünf Minuten sind die Äuglein deutlich kleiner geworden und ich gehe davon aus, dass der kleine Engel schläft, noch bevor wir den Park erreichen. Noch eine Ampelkreuzung überqueren und wir sind da. Genau an dieser Kreuzung treffen jedoch gerade Welten aufeinander. Ein sehr gemütlich fahrender, älterer Herr steht an der Ampel und bemerkt nicht, dass diese bereits auf grün umgeschaltet hat. Der Fahrer im Wagen hinter ihm hat es scheinbar besonders eilig und betätigt daher sofort und lang anhaltend seine Hupe. Die kleinen Augen werden kurz aufgerissen, während es in meinem Magen zu grummeln beginnt. Statt einfach loszufahren, fängt der ältere Herr jedoch an wild zu gestikulieren, als wollte er seinen Tagesablauf in Zeichensprache erklären, was zu einem erneuten Hupen führt, bevor die zwei endlich verschwinden.

Baby ist jetzt nicht nur hellwach, sondern schaut auch irritiert und verzieht das Gesicht. Ich versuche beruhigend zu wirken und schaukle den Kinderwagen sanft hin und her, bis die Ampel für uns grün zeigt und wir endlich in den Park kommen. Jetzt sollte es besser werden. Die nächsten fünf Minuten sind tatsächlich ruhig, nur ein paar Vögel zwitschern und die Äuglein meines Sonnenscheins werden schon wieder kleiner. Ich lasse den Blick durch den Park schweifen, der auch einen schönen Spielplatz enthält und male mir aus, wie es später sein wird, wenn wir hier wirklich zum Spielen herkommen. Dieser schöne Gedanke erleidet Schiffbruch, als ich neben mir im Rasen einen Hundehaufen entdecke. An jedem Eingang des Parks gibt es kostenlose Hundekotbeutel, doch leider sehen es einige Hundehalter wohl trotzdem nicht ein, das Geschäft ihres Tieres vom Rasen zu entfernen. Von dem Rasen, auf dem regelmäßig kleine Kinder spielen, auf dem auch meines einmal spielen soll.

Kaninchen im Park

Ich seufze und setze meinen Weg fort, immerhin sind die kleinen Äuglein mittlerweile immer wieder länger geschlossen, es wird nicht mehr lange dauern. Da sehe ich ein Kaninchen aus dem Gebüsch auf den Rasen hüpfen und muss lächeln. Trotz Hundekacke ist es hier echt schön. Kaum ist das Kaninchen zu sehen, startet lautes Hundegebell. Das Kaninchen flüchtet sofort wieder in den Busch, vor welchem nun ein kleiner Hund Halt macht, der unaufhörlich das Gebüsch anbellt. Die kleinen Augen sind nun wieder weit offen und das Grummeln in meiner Magengegend wird schlimmer. Als dann noch eine schrille Frauenstimme energisch zu schreien beginnt und ständig „Chico komm her! Chico aus! Chico jetzt komm bei Fuß!“ ruft, ist es statt dem Hund leider das Baby, das darauf reagiert und nun zu weinen anfängt. Ich bringe den Schnuller erneut zum Einsatz, beschleunige meinen Schritt, um die Szenerie zu verlassen und singe leise ein Schlaflied, bis wieder Ruhe im Kinderwagen herrscht.

Es vergehen wieder ein paar unspektakuläre Minuten und die Äuglein werden erneut kleiner. Dann höre ich Musik, die schnell näherkommt und lauter wird. Als ich mich umdrehe, sehe ich einen Radfahrer, junger Kerl, wahrscheinlich noch keine 30, der eine Musikbox im Fahrradkorb herumfährt und damit laut Musik hört. Mir entgleitet ein „Echt jetzt?“ als er an uns vorbeifährt, was unter der Lautstärke seiner Musik jedoch gar nicht mehr zu hören ist. Das Baby ist wieder hellwach und ich bekomme langsam Magenschmerzen.

Enten im Park

Ein paar Minuten später sind wir gerade im Begriff den Park zu verlassen und den Rückweg anzutreten, als uns eine ältere Dame entgegenkommt, die beim Anblick des Kinderwagens sofort breit lächelt. Die Äuglein sind gerade wieder geschlossen, es fehlt nicht mehr viel bis ins Land der Träume. Die Dame hält neben uns an und wirft sofort einen Blick in den Kinderwagen. Ihr „Oh wie süß und so schön am Schlafen!“ ist deutlich lauter als ich gehofft hatte, so dass sich schlagartig ein paar Augen öffnen, die verdattert den fremden Menschen anschauen, der da ungefragt seinen Kopf in den Kinderwagen gesteckt hat. Als die kleine Sirene startet, entschuldigt sich die Frau sofort und setzt ihren Weg schnell fort. Doch ihre Entschuldigung hilft jetzt auch nicht mehr. Ich singe wieder leise ein Schlaflied und freue mich auf zu Hause.

Endspurt, nur noch fünf Minuten bis zum rettenden Ufer, bis zu unserer Haustür. Die Äuglein sind wieder klein, aber die Hoffnung auf Schlaf habe ich mittlerweile aufgegeben. Deswegen seufze ich nicht einmal mehr, als uns auf der anderen Straßenseite ein kleiner Junge entgegengerannt kommt, verfolgt von seiner langsamer laufenden, aber immer wieder rufenden Mutter. „Piere, Liebling, renn doch nicht so.“ „Piere Schatz, pass auf die Autos auf.“ Sind nur einige der Sätze, die dem Jungen hinterhergerufen werden, der jedoch weder seine Mutter, noch die Autos beachtet und einfach munter über die Straßen rennt. Plötzlich quietschen Reifen, dann wird gehupt. Ich drehe mich um, zum Glück ist aber nochmal alles gut gegangen. Die Situation endet mit einem immer noch nicht streng klingenden Ton der Mutter: „Piere Phillip, ich habe dir doch gesagt, du musst auf die Autos aufpassen.“

Die nun wieder großen Augen schauen mich an, als wollten sie mich fragen, in was für eine verrückte Welt ich sie gesetzt habe. Ich zucke mit den Schultern und meine nur: „Gleich sind wir zu Hause, da kannst du sicher schlafen.“ Wenige Minuten später erreichen wir die Haustür. Das Kind schläft und ich habe wohl ein Magengeschwür.

Deine Erfahrungen

Das war jetzt eine leicht überspitzte Zusammenfassung meiner Erlebnisse. Jetzt bin ich auf deine Erfahrungen gespannt. Wie gut schlafen deine Kleinen im Kinderwagen? Welche verrückten Begegnungen hattest du so bei den Spaziergängen?
Kennst du schon meinen Bericht „Stell dich nicht so an“ oder meine Rezension zu „Oje, ich wachse!„?

Liebe Grüße
Tenja Tales