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Kleider machen Leute – damals mehr als heute?

Kleider machen Leute,
Damals mehr als heute?
Doch was früher schon schlecht,
Funktioniert auch heut nicht recht.

Kleider machen Leute

Wer kennt sie nicht, Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute“. Auch ich habe sie in der Schulzeit gelesen und war fasziniert davon, wie sich Leute durch Äußerlichkeiten beeinflussen und täuschen lassen. Heute, Jahre später, ist die Faszination der traurigen Wahrheit gewichen. Früher war es tatsächlich gar nicht so abwegig, den Stand eines Menschen anhand seiner Kleidung zu erraten. Doch ist das heute wirklich immer noch so?

DIE AUSBILDUNG

Ich glaube bei der Suche eines Ausbildungsplatzes habe ich mich das erste Mal selbst ernsthaft damit auseinandergesetzt, wie Kleidung meine berufliche Laufbahn beeinflussen würde. Zu den Vorstellungsgesprächen bin ich in Bluse und Kostüm (den Begriff finde ich ja irgendwie gleichermaßen passend wie blöd). Und bereits da habe ich festgestellt, dass man anhand der Kleidung zum einen bereits vorverurteilt wird, sie zum anderen aber tatsächlich auch einiges über die Person verraten kann.

Wer zu seinem Vorstellungsgespräch besonders leger gekleidet kam, der wurde gefragt, ob er denn weiß, was das Unternehmen überhaupt macht. Man unterstellte den betreffenden Personen wohl mangelndes Interesse am Job und dem Unternehmen, manchmal wohl zu Recht. Umgekehrt wurde man im Anzug bzw. Kostüm tatsächlich ernster genommen, auch im späteren Verlauf der Ausbildung.

IM MÖBELHAUS

Springen wir in der Geschichte ein paar Jahre weiter. Mein Mann und ich sind auf der Suche nach neuen Wohnzimmer Möbeln. Wir fahren nachmittags in ein großes Möbelhaus und schauen uns um. Kein Verkäufer nimmt Notiz von uns, wir werden nicht angesprochen und nichts. Als wir dann auf einen Verkäufer zugehen, werden wir kompetent beraten und ganz normal behandelt.

Da wir uns nicht sofort entscheiden, kommen wir ein paar Tage später erneut in dieses Möbelhaus. Diesmal kommt mein Mann direkt von der Arbeit aus einem Meeting und trägt einen Anzug. Um mich daneben nicht blöd zu fühlen, trage ich zumindest eine schicke Bluse. Wir sind noch keine 10 Meter weit gekommen, als uns der erste Verkäufer anspricht. Bis wir in der Abteilung angekommen sind, in der wirklich etwas kaufen wollen, haben uns tatsächlich fünf verschiedene Verkäufer angesprochen.

Der nette Herr, der den Kaufvertrag für unsere Möbel fertig macht, behandelt uns überaus zuvorkommend. Er beeilt sich über die Maßen mit allen Formalien und ist teilweise dermaßen freundlich, dass es uns fast unangenehm ist. Dazu muss gesagt werden, dass die Möbel die wir uns gekauften haben, in keinerlei Verhältnis zu dieser Art der Behandlung standen.

BEI DER HAUSAUSSTELLUNG

Ein anderer Tag, ein anderer Ort, die gleiche Erfahrung. Wir besuchen eine Hausaustellung. Die Klamotten sind arbeitsbedingt wieder etwas schicker und der Umgang mit uns ist sehr freundlich. Die Berater der einzelnen Häuser kommen teilweise kurz nach dem Betreten des Hauses direkt auf uns zu und bieten uns ihre Beratung an. Wir bekommen Kataloge und Infos ohne Ende und man wirbt um uns als Kunden.

Ein weiterer Besuch in der Hausaustellung in legeren Klamotten zeigt dann ein ganz anderes Bild. Wir werden gekonnt ignoriert, bis wir aktiv auf einen Verkäufer zugehen. Doch er und auch einige seiner Kollegen aus anderen Häusern nehmen uns nicht wirklich ernst. Man scheint uns in diesem Outfit nicht zuzutrauen, genug Geld für ein Eigenheim zu besitzen, im Anzug anscheinend schon.

Sind heute noch Kleider ausschlaggebend?

IMMER WIEDER

Ich denke, du kannst dir vorstellen, dass wir derartige Situationen häufiger hatten. Bereits vor der Geschichte im Möbelhaus ist uns etwas ganz Ähnliches im Autohaus passiert. Das im Möbelhaus war aber definitiv nochmal eine Nummer heftiger. Eigentlich war und ist es egal, wo wir hingehen. Wenn die Klamotten etwas schicker sind, ist die Behandlung im Restaurant anders, bei der Wohnungssuche und auch sonst zu vielerlei Anlässen.

Doch warum ist das so? Geht man davon aus, dass wir wohlhabender sind, nur weil wir mal vermeintlich bessere Klamotten tragen? Heutzutage gibt es auch Anzüge und Kostüme für kleines Geld, während man für manches Alltagskleidungsstück echte Unsummen hinblättern kann. Oder schreibt man uns einen bestimmten Charakter anhand der Klamotten zu? Wenn dem so wäre, wären die Anzugträger dann wirklich die, die besser behandelt werden?

BEI DEN KLEINKINDERN

Da nehme ich mir doch gerne mal wieder die Kleinkinder zum Vorbild. Die Kleinen interessiert es nicht, was ihre Eltern für Klamotten tragen, was ihre Freunde anhaben oder was sonst jemand trägt. Es interessiert sie nicht, wie teuer das war oder was man damit vielleicht aussagen möchte. Das Schöne daran ist, dass die Kinder noch nicht vorurteilsbehaftet sind, sie sehen den Menschen und beurteilen ihn nur nach dem, was er tut und wie er sich gibt. Der Nachteil ist ganz klar: Ihnen ist egal, ob sie ihre schmutzigen Finger jetzt an der Küchenschürze oder der Anzughose abwischen.

Doch manchmal zeigt die Welt sich auch von ihrer schönen Seite. Denn es gibt auch Eltern, die sich nicht ihrer Klamotten entsprechend verhalten, wenn man den Vorurteilen folgen möchte. Wenn ich einen Papa zum Beispiel in Anzughose und Hemd durch den Sand in einer Kinderhütte krabbeln sehe, weil er mit seinem Kind spielt und das das Einzige ist, was gerade zählt, dann geht mir das Herz auf!

FAZIT

Das ist nicht die Art Bericht, die du vielleicht von mir gewohnt bist, aber das Thema hat mich in letzter Zeit mal wieder beschäftigt und auch aufgeregt, so dass ich einfach mal darüber schreiben wollte. Ich finde es sehr schade, dass man auf Basis seiner Kleidung teilweise sehr unterschiedlich behandelt wird. Gerade heutzutage hätte ich ganz naiv eigentlich erwartet, dass genau die Menschen, die uns so unterschiedlich behandelt haben, eigentlich aus Erfahrung wissen sollten, dass die Kleidung nicht immer alles verrät und dass man potentielle Kunden durch ein derartiges Verhalten manchmal echt vergraulen kann. Doch das Verhalten scheint wohl viel zu oft und zu gut zu funktionieren, so dass man auf die paar Kunden verzichten kann.

Und was ist jetzt dir Moral von der Geschichte? Das muss jeder für dich entscheiden. Natürlich gibt es die Möglichkeit, sich bei relevanten Themen immer besonders schick herauszuputzen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Oder man entscheidet sich für das Gegenteil, gibt sich immer besonders leger und macht sich vielleicht einen Spaß daraus, mit dem Verhalten des Gegenübers so zu spielen. Wir haben uns dafür entschieden, dass wir einfach so bleiben, wie wir sind. Manchmal trifft man uns im Business Outfit, manchmal locker flockig. Und wer uns nicht ernst nimmt, der kann uns eben mal gern haben.

Wie stehst du zu dem Thema? Und kennst du schon meinen Bericht „Heute schon gelächelt?“

Liebe Grüße
Tenja Tales

2 COMMENTS

  1. Ein sehr interessanter Beitrag mit Einblicken rund um die „richtige“ Kleidung, die zum Nachdenken anregen!
    Machen Kleider immer noch Leute? Ich werde mich definitiv intensiver mit dieser Frage beschäftigen!

    Danke!

    • Hallo Julia,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Es freut mich sehr, dass ich damit zum Nachdenken anregen konnte! Mit der Zeit hat sich so vieles geändert und doch sind manche Dinge noch immer wie früher.

      Liebe Grüße
      Tenja Tales

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