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Gedichtarten – Von der Ballade bis zum Rondell

Aus schönen Worten wird ein Gedicht,
Das eine reimt sich, ein anderes nicht.
Von der Ballade bis zum Rondell
Erklär ich dir diese Formen schnell.

Vorstellung weiterer Gedichtarten

Lang ist es her, da habe ich auf meinem Blog ein paar Gedichtarten vorgestellt. In „Gedichtarten Teil1“ ging es um Elfchen, Limericks, Akrostichons, Sonette und Twittergedichte. Heute möchte ich diese Reihe gerne fortsetzen und weitere Gedichtarten erläutern. Heute soll es um Haikus, Rondelle, Lieder, Epigramme und Balladen gehen. Alle hier gezeigten Beispiel-Gedichte sind von mir erstellt. In der Autorenwelt findest du darüber hinaus einige weitere meiner Gedichte, die sich in der Regel gereimter Gedichtarten bedienen.

Haiku

Bei einem Haiku handelt es sich um eine Gedichtform, die eigentlich aus der japanischen Dichtung kommt. Er besteht aus drei Versen, die eigentlich aus 5 – 7 – 5 Lauteinheiten bestehen. Eine Lauteinheit, die so genannte More, ist nicht dasselbe wie eine Silbe. Im Japanischen sind alle Lauteinheiten gleich lang und unterscheiden sich daher von den deutschen Silben. Umgerechnet ergeben die 17 Lauteinheiten des Haiku ca. 10 – 14 deutsche Silben. Demnach ist man im Deutschen deutlich freier in der Umsetzung dieser Gedichtform.

Ein Haiku ist daher sehr kurz, dafür aber meist knackig im Inhalt. Er beginnt meist mit einem konkreten Sachverhalt aus dem Hier und Jetzt und hat meist eine heitere oder tiefgründige Pointe. Nicht selten werden auch intensive Eindrücke aus der Natur geschildert. Meist geht es darum, dem Leser ein starkes Bild in den Kopf zu projizieren.

Beispiel 1:

Tausende Lichter,
Zauber auf allen Wegen,
Ein Markt voll Magie.

Beispiel 2:

Vom Himmel fällt
Weiße Einzigartigkeit
Als Schneeflocken.

Beispiel 3:

Wie Schmetterlinge
Tanzen sie durch Winterluft:
Die Schneeflocken.

Rondell

Als nächstes möchte ich dir gerne das Rondell vorstellen. Wichtig ist hierbei, dass es sich um das Rondell (mit zwei L) handelt und nicht um das Rondel (mit einem L), letztes bezeichnet nämlich eine ganz andere französische Gedichtform.

Das Rondell wird gerne im Deutschunterricht eingesetzt, vorwiegend in der Grundschule. Es besteht aus 8 Zeilen und hat kein festes Reimschema oder Versmaß. Die erste, vierte und siebte Zeile sind identisch, ebenso sind die zweite und achte Zeile gleich. Klingt doch erstmal gar nicht so schwer, oder?

Ein paar Kleinigkeiten gilt es jedoch noch zu beachten: Eine Zeile muss immer aus einem Satz oder zumindest einem Satzteil bestehen, sie darf nie aus nur einem Wort bestehen. Darüber hinaus muss der Satzteil, der in Zeile zwei und acht verwendet wird, ein Nebensatz der ersten Zeile sein, die er ergänzt.

Beispiel 1:

Wir zieh’n in ein Autorendorf,
Dort können wir viel schreiben.
Kurzgeschichten, Romane und mehr.
Wir zieh’n in ein Autorendorf.
Plottbunnies an jeder Ecke
Und man hilft sich stets beim Schreiben.
Wir zieh’n in ein Autorendorf,
Dort können wir viel schreiben.

Beispiel 2:

Bin müde und würd gerne ruh’n.
Doch ich hab noch so viel zu tun.
Die Arbeit türmt sich auf dem Tisch.
Bin müde und würd gerne ruh’n.
Muss Homeschooling noch vorbereiten
Und den ganzen Haushalt schmeißen.
Bin müde und würd gerne ruh’n.
Doch ich hab noch so viel zu tun.

Lied

Bei der nächsten Form handelt es sich eigentlich um eine der Gedichtarten, die dir definitiv schon bekannt ist und (das behaupte ich jetzt einfach mal) dir auch irgendwie gefällt. Diesmal geht unsere Gedichtform etwas in die Länge. Es handelt sich nämlich um ein Lied!

Doch wie schreibt man ein Lied? Hier gibt es fünf Dinge, die man beachten sollte:

  • Ein Lied gliedert sich in mehrere Strophen.
  • Es hat einen mehrfach wiederkehrenden Refrain.
  • Das Reimschema wird meist durchgängig verwendet.
  • Es ist meist in einfacher Sprache geschrieben (je nachdem, ob man jetzt ein mittelalterliches Lied oder ein neumodisches schreibt, ist die Sprache natürlich anzupassen)
  • Die Verse sind oftmals kurz gehalten.

Beispiel:

Es war in rabenschwarzer Nacht,
Als Graf Lennar wurd umgebracht.
Den Mörder hat man nie gefasst,
Denn Graf Lennar war sehr verhasst.
Den Graf hat das doch nie gestört,
Das Volk hat er noch nie erhört.

Der Schatz dies Thors ruht nun am Hang,
Wo Abenteurer Tatendrang,
Nur mit des alten Drachen Kuss,
Des Grafen Bannspruch brechen muss.

Des Grafen Kammern voller Gold,
Die hat der Mörder wohl gewollt,
Doch in der rabenschwarzen Nacht,
Entfesselte man alte Macht.
Den Grafen gab es nun nicht mehr
Und seine Kammern waren leer.

Der Schatz dies Thors ruht nun am Hang,
Wo Abenteurer Tatendrang,
Nur mit des alten Drachen Kuss,
Des Grafen Bannspruch brechen muss.

Doch welche Macht stahl all das Gold,
Das Graf und Mörder so gewollt?
Manch Abenteurer hat gesucht
Und wurde dabei selbst verflucht.
Doch jenen, die es dennoch wagen,
Will ich gerne eines sagen:

Der Schatz dies Thors ruht nun am Hang,
Wo Abenteurer Tatendrang,
Nur mit des alten Drachen Kuss,
Des Grafen Bannspruch brechen muss.

Epigramm

Nach einer so langen Gedichtart wollen wir uns wieder einer kurzen und meiner Meinung nach auch sehr schönen Gedichtart zuwenden, dem Epigramm. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet Aufschrift. Und genau das war die ursprüngliche Form eines Epigramms: Eine Auf- bzw. Inschrift, oftmals in Form einer Grabinschrift, die in wenigen Versen eine Würdigung ausdrückte.

In dieser Form der Epigramme ging es um den Ausdruck von Stimmungen, Gedanken und Gefühlen. Sie werden meist als Sinngedichte oder Sinnsprüche bezeichnet. Später wurde diese Gedichtart durch einen Dichter neu interpretiert, so dass durch seine satirische und spottende Kurzdichtung das Spottgedicht entstand. Beide Varianten des Epigramms werden in der Regel in Form eines Distichons (Zweizeiler) oder Tetrastichons (Vierzeiler) geschrieben.

Beispiel eines Epigramms im Bücherregal

Beispiel 1 – Potenzielle Aufschrift eines Bücherregals:

In diesen Werken ist enthalten:
Viel Arbeit und manch Sorgenfalten.
Autoren schrieben Stund‘ um Stund‘
Für Leser sich die Finger wund.

Beispiel 2 – Spottgedicht:

Ein zu wildes Arbeitstier
Sagt nie Nein, ruft immer Hier.
Doch opfert er zu viel sich auf,
So geht er sicher daran drauf.

Ballade

Zum Abschluss des heutigen Gedichtarten-Berichts wollen wir uns der Form zu wenden, die ich selbst am liebsten und wohl häufigsten schreibe: Balladen. Es handelt sich dabei um ein gereimtes Gedicht, welches aus mehreren Strophen mit jeweils mehreren Versen besteht. Das Metrum einer Ballade ist meist einheitlich, jedoch gibt es keine Vorgabe, welches Metrum verwendet werden muss.

Balladen zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie Elemente der Lyrik, Epik und Dramatik beinhalten. Jedoch ist auch hier nicht genau festgelegt, welche Elemente das genau sein müssen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Volksballaden, die den oben beschriebenen Liedern gar nicht so unähnlich sind, und Kunstballaden. Bei letzteren gibt es wieder diverse Untergruppen, die sich anhand des Inhalts aufgliedern, wie zum Beispiel: Numinose Ballade (dazu gehört auch der „Erlkönig“), Exempelballade, Ideenballade, Technikballade, politische Ballade und soziale bzw. sozialkritische Ballade. In meinem Gedichtband „Vom Homo Sapiens und anderen Problemen“ (Partnerlink zu Amazon) sind vor allem die letzten drei Balladentypen vertreten.

Beispiel – Verlorene Menschlichkeit (aus meinem Gedichtband):

Ein Mann der eine Zeitung liest,
Dem wird mal wieder schlecht.
Was man da oben so beschließt,
Das ist ihm gar nicht recht!

Der Frieden wird so oft versprochen,
Der Krieg jedoch dann finanziert,
Es wird auch überall bestochen,
Die Korruption gar provoziert!

Die Steuern werden stets verprasst,
Für sinnloses Getue,
Beschlüsse werden blind gefasst –
Das lässt ihm keine Ruhe!

Man fälscht Statistiken zuhauf,
Veruntreut in die eigne Tasche,
Nimmt Bauernopfer gern in Kauf –
Wie sehr nur hasst er diese Masche!

„Die kennen gar nicht unser Leben,
Der kleine Bürger hat es schwer!
Wie DIE über den Dingen schweben,
Fehlt Bodenhaftung! Hirn noch mehr!

Familie und dann kaum Gehalt,
Das ist doch denen fremd!
Uns trifft das Leben mit Gewalt
So mancher kämpft ums letzte Hemd!

Gefühlskalt lenken sie mit List!
Haben die Mitleid? – Nein!
Die wissen gar nicht wie es ist
Tatsächlich Mensch zu sein!“

So viele Gedichte mit langer Geschichte

Es freut mich sehr, dass ich dich für das Stöbern durch die verschiedenen Gedichtarten begeistern konnte! Ich finde, dass Lyrik etwas Wundervolles ist und ich schätze vor allem die „alten“ und gereimten Gedichtformen sehr. Es ist eine etwas ins Abseits geratene Kunst, die uns heute am häufigsten noch in Songtexten begegnet. Dabei kann ein schönes Gedicht in wenigen Worten mehr ausdrücken als manch seitenlanger Text.

Wie stehst du zu Gedichten? Welche Gedichtarten gefallen dir am besten? Und kennst du schon meinen Beitrag „Gedichte – So schreibe ich“ oder meine Erläuterungen zu Metrum, Versmaß und mehr?

Liebe Grüße
Tenja Tales

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