Weltenschmie.de Blog

Geschenke, Genuss, Familie, Spiele & mehr

Gedichtarten Teil 1

Aus schönen Worten wird ein Gedicht,
Das eine reimt sich, ein anderes nicht.
Vom Elfchen bis zum Akrostichon,
Kennst du diese Arten schon?

Gedichtarten Teil 1

Heute möchte ich dich mit meinem Beitrag in eine andere Welt entführen, in die Welt der Gedichte, in meine Welt. Wobei das vielleicht nicht ganz stimmt. Ich liebe Gedichte und ich liebe es, sie zu schreiben, was du in meiner Autorenwelt bereits sehen kannst. Doch hauptsächlich bin ich ein Freund von Gedichten in Reimform, was natürlich nur auf einen Teil der Gedichtformen zutrifft. Dennoch habe ich mich natürlich auch mit den anderen Gedichtformen beschäftigt und möchte mein Wissen gerne mit dir teilen.

WO FANGEN WIR AN?

Wie du vielleicht weißt, bin ich auch in der Schreibnacht Community aktiv. Dort habe ich in der Lyrik-Ecke vor einiger Zeit angefangen, einige Gedichtarten vorzustellen, um sozusagen ein wenig Werbung für das Schreiben von Lyrik zu machen. Dort habe ich mit einer Gedichtart angefangen, die man so vielleicht gar nicht gleich als solche erkennen würde. Bei Gedichten denkt man oft an viele Verse oder gar Strophen, an Reimschema oder sehr tiefsinnige Kreationen. Doch es geht auch einfach. Und genau deswegen will ich den Einstieg an genau dieser Stelle wählen.

ELFCHEN

Beginnen wir mit dem Elfchen. Wie der Name schon sagt, besteht es aus elf Wörtern. Es hat insgesamt fünf Zeilen mit einer jeweils festgelegten Anzahl Wörter. Es ist damit sehr kurz, super einfach zu schreiben und muss sich nicht reimen, also ideal für den Einstieg ins Gedichte schreiben.

  1. Zeile: Ein Wort
  2. Zeile: Zwei Worte
  3. Zeile: Drei Worte
  4. Zeile: Vier Worte
  5. Zeile: Ein Wort

Beispiel 1:

Hitzewelle
brütend heiß
macht uns mürbe
bis endlich Regen fällt
Abkühlung

Beispiel 2:

Plotbunny
Hüpft vorbei
Lächelt mich an
Versuche es zu fangen
Daneben.

Beispiel 3:

Müde
Keine Lust
Sollte aber schreiben
Mach ich dann morgen
Prokrastination

LIMERICK

Der Limerick ist ein ebenfalls recht kurzes Gedicht, diesmal jedoch in Reimform. Es ist oft lustig bzw. scherzhaft und wird deswegen auch gerne als Nonsensvers bezeichnet. Der Limerick besteht immer aus fünf Zeilen, hat das Reimschema aabba und 3, 3, 2, 2, 3 Hebungen. Als Metrum wird Anapäst (x x ẋ) verwendet. Die erste Zeile beinhaltet als letztes Wort meist einen Ort, während letzte Zeile die Pointe darstellt, die meist humorvoll, grotesk oder eben einfach sinnlos ist.

Wenn dir das mit den Hebungen und dem Metrum etc. alles jetzt nichts sagt, schau doch einfach mal in meinem Beitrag Metrum, Versmaß und mehr vorbei, dort findest du alle Infos.

Beispiel 1:

Ein Autor entspannt grad am Strand,
Er schreibt mit dem Fuß in den Sand.
Da kommt auf die Schnelle
Eine ganz große Welle
Und schon wird der Autor verspannt.

Beispiel 2:

Ein Autor schrieb in einer Nacht,
Ein tolles Buch von dem er dacht’,
Es wär nicht zu toppen,
Es könnte nicht floppen
Und hat ohne Speichern aus gemacht.

Beispiel 3:

In einem Autorendorf am Meer,
Da schrieben die Autoren schwer,
Sie hatten viel Mut
Und schrieben echt gut
Doch kochen konnte keiner mehr.

AKROSTICHON

Bei dem Akrostichon handelt es sich um eine Gedicht- oder Textart, die du vielleicht noch aus der Schule kennst. Ein Akrostichon kann beliebig viele Verse und Strophen haben, wichtig ist, dass die Anfangsbuchstaben oder Anfangssilben jedes Verses zusammen ein Wort oder einen Satz ergeben. Das Akrostichon wurde daher gerne auch mal für Verschlüsselungen verwendet.

Wie bei eigentlich allen Gedichtarten, kann man versuchen, auch hier ein Reimschema anzuwenden, allerdings gehört es nicht zwingend zu dieser Gedichtart dazu. Ich habe es mir trotzdem nicht neben lassen, meine Beispiele auch zu reimen.

Beispiel:

Autoren lieben es zu schreiben
Und auch allein zu Haus zu bleiben.
Texte können so entstehen,
Oft wird sie lang kein andrer sehen.
Radikal wird umgeschrieben,
Ehrgeizig wird drangeblieben,
Nur ein Autor kann das lieben.
–> AUTOREN

Gelettertes Kurzgedicht

SONETT

Das Sonett stammt aus dem Italienischen und heißt dort „sonetto“. Es stammt aus dem Verb „sonare“, was so viel wie „klingen“ oder „tönen“ bedeutet und aus dem Nomen „sonus“, was „Schall“ oder „Klang“ heißt. Im Deutschen wird diese Gedichtart daher auch oft als Klanggedicht bezeichnet.

Bei dieser Gedichtart handelt es sich diesmal um eine doch schon recht anspruchsvolle Variante. Technisch besteht das Sonett meist aus 14 Zeilen, die sich in vier Strophen gliedern. Die ersten beiden Strophen bestehen aus vier Zeilen (Quartette), die letzten beiden Strophen aus jeweils drei Zeilen (Terzette).
Als Versmaß wird meist der Jambus verwendet. Wenn man ganz genau sein will, ist es meist ein fünfhebiger Jambus, was 11 Silben pro Vers bedeutet.
Als Reimschema wird für die beiden Quartette meist der umarmende Reim (abba), manchmal jedoch auch der Kreuzreim (abab), verwendet. Wer die Herausforderung mag, verwendet für die beiden Quartette die gleichen Reime (also abba / abba statt abba / cddc). Die Terzette können ein Schweifreim (ccd/eed) sein oder auch dem Muster cde/cde folgen.

Inhaltlich stellt das erste Quartett meist eine These / Behauptung auf, während das zweite Quartett dann die Antithese, also die Gegenbehauptung darstellt. Die beiden Terzette sind dann das Ergebnis, die Synthese.

Es gibt ganz unterschiedliche Varianten des Sonetts (die italienische Variante, die Variante im Barock etc.), aber wir wollen es ja nicht übertreiben 😉

Beispiel:

Das Schreiben erfüllt und ist solche Wonne,
Von kleinen Plot-Hasis ist er ganz umringt,
Die Muse dazu noch ein Küsschen ihm bringt,
Ersetzt es dem Autor gar fast die Sonne.

Doch manchmal weigert sich gänzlich das Schreiben,
Die Muse wird ihn heut sträflich versetzen,
Die Häschen ihn nur in den Hintern petzen,
Die Wörter werden ungeschrieben bleiben.

So ziehen die Tage oft trostlos ins Land,
Denn Muse und Häschen, sie streiken konstant,
Doch dem Autor fehlt leider gänzlich die Macht!

Doch bevor all die Hoffnung völlig entschwand,
Kommt dem Autor eine Idee, die brillant,
Und so schreibt er endlich wieder Tag und Nacht!

TWITTERGEDICHT

Ok, ich gestehe, das Twittergedicht ist keine offizielle Gedichtart. Es ist eine Twitter-Erfindung, die gerade zu den Zeiten von nur 140 Zeichen eine nette Herausforderung war. Falls du dir Twitter erst neulich zugelegt hast: Früher konnte jeder Post auf Twitter nur 140 Zeichen umfassen, mittlerweile sind es 280. Ein Zeilenumbruch, den man bei Gedichten gerne für die Verstrennung verwendet, wird dabei ebenfalls als ein Zeichen gezählt.

Beispiel Twittergedicht (140):

#Twittergedicht wird man irgendwann sehn
nach “Sonett” in den Gedichtformen stehn
Kreuz- oder Paarreim, 4 Verse
140 Zeichen, Metrum: diverse

Viel mehr gibt es zu der alten Version auch gar nicht zu sagen. Mittlerweile hat man doppelt so viel Zeichen Platz, um sich lyrisch auszutoben. Wirkliche Regeln gibt es nicht, außer dass es sich eben um ein Gedicht handeln sollte. Grundsätzlich gibt es schon einige echte Gedichtarten, die sich prima als Twittergedicht eignen, wie das Elfchen und auch manches Akrostichon. Der Haiku oder der Limerick eignen sich aufgrund ihrer Kürze ebenfalls super als Twittergedichte.

Wer es lieber etwas freier mag, der kann das Twittergedicht für sich frei interpretieren. Wichtig ist nur, dass erkennbar ist, dass es sich um ein Gedicht handelt und dass es auf Twitter gepostet wird. Hashtags wie #Gedicht, #Lyrik oder #Poesie werden dabei gerne verwendet. Außerdem sieht es oft schöner aus, wenn man die paar Zeichen für Zeilenumbrüche opfert, um die Verse optisch voneinander zu trennen. Welche Art Reim (Paar- oder Kreuzreim etc.) und welches Metrum dabei verwendet werden, sind ebenfalls flexibel.

Wer seine Verse nicht zu lang wählt, kann mit 280 Zeichen oftmals 8 Verse (ggf. in 2 Strophen aufgeteilt) schaffen. Eine zusätzliche Zeile mit Hashtags wird dann aber meist recht eng, manchmal muss man auch auf Satzzeichen verzichten und ein “und” durch “&” ersetzen oder ähnliche Tricks zum Zeichen kürzen anwenden 😉

Beispiel Twittergedicht (280):

Erst fängt ein Finger an zu jucken,
der #Autor in mir scheint zu zucken,
dann kribbelt bald die ganze Hand,
die #Plotbunnies sind losgerannt
So will ich #schreiben jetzt & hier
ich greife mir ein Stück Papier,
jedoch beim Greifen wird mir klar,
dass die Hand nur eingeschlafen war

ABSCHLUSS

Das war es erstmal von meiner Seite zu den Gedichtformen. Es wird sicher noch weitere Blog Beiträge geben, in denen ich dir weitere Gedichtformen, wie zum Beispiel das Rondell, den Haiku und weitere vorstelle. Doch nun freue ich mich auf deine Meinung. Wie gefallen dir die Gedichte? Hast du vielleicht schon selbst welche geschrieben? Wenn du magst, kannst du auch gerne eins deiner Werke zu den oben vorgestellten Gedichtarten in den Kommentaren hinterlassen! Und kennst du schon meinen Beitrag „Gedichte – So schreibe ich“?

Liebe Grüße
Tenja Tales

LEAVE A RESPONSE

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.